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Dienstag, 1. August 2017

Siebte Etappe: Rasender Roland (30 km)

Die Unterkunft wurde bewusst in der Nähe des Rasenden Roland gewählt, nach dem Frühstück ging es auch schon direkt los. Vor Ort am Startbahnhof Putbus musste ich sogleich Zeuge und Darsteller eines bizarren, gar kafkaesken Schauspiels werden, da ich den Ali zunächst auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz abgestellt hatte und parallel zum Parkplatz eine quasi unbenutzte, recht breite Nebenstraße verläuft, wo eine Frau ihr Auto abgestellt hatte:

Ich: "Guten Tag, wie lange kann man denn sein Auto dort abstellen, wo Sie Ihres abgestellt haben?
Sie: "Theoretisch bis heute Abend."
Ich: "Und das kostet dort nichts, oder?"
Sie: "Nein, das kostet nichts. Aber Sie stehen ja mit Ihrem Auto gut da, wo Sie stehen."
Ich: "Aber mein Parkplatz ist doch kostenpflichtig, oder?"
Sie: "Ja, aber es kostet nur vier Euro bis heute Abend, das ist doch günstig! Sehen Sie, die Touristen parken hier immer die Straße voll, ich arbeite hier und kann mir keine vier Euro Parkgebühren am Tag leisten!"

Auf deutsch: "Du Touri-Assi hast Geld genug, Du zahlst gefälligst fürs Parken und lässt die kostenlosen uns armen, armen Einheimischen!" Ehrensache, dass ich den Ali nochmals umgeparkt habe.




Besonders interessant: Kreuzung von Normal- und Schmalspur


 


 

Nach ungefähr 2,5 Stunden waren wir wieder am Ausgangspunkt zurück. Direkt am Bahnhof gibt es einen Italiener ("Rosenhof"), wo zwanzig Sekunden Recherche im Internet uns schnell davon abgebracht haben, diesen aufzusuchen (Google-Bewertung: 3,0 Sterne).

Stattdessen haben wir die fünf Minuten Fahrt zur "Jägerhütte Putbus" (4,7 Sterne, Platz 1 der Empfehlungen für Putbus auf Tripadvisor) auf uns genommen, hier war das Essen schwerst okay und die Wirtin supernett. Bis wir fertig mit Essen waren, war es bereits 15 Uhr. Auf dem Heimweg noch einen örtlichen "Famila"-Supermarkt mit ordentlich Lokalkolorit aufgesucht und bis wir wieder zurück im Appartement waren, war vier Uhr am Nachmittag.

Für eine 5-Sterne-Bewertung hat mir ein wenig das "besondere Etwas" gefehlt, obwohl rein nüchtern alles für eine sehr schöne Fahrt vorhanden war. Es war ein tolles Erlebnis und die 4 Sterne sind mehr als verdient.

Trivia Rasender Roland
Spurweite 750 mm
Streckenlänge 24,1 km
Vmax 30 km/h
Fahrtzeit hin & zurück total ca. 3:00 Stunden
Bewertung 4 Sterne

Montag, 31. Juli 2017

Sechste Etappe: Molli-Bahn - Baumwipfelpfad Binz - Hof Kranichstein (249 km)

Das Frühstück hatten wir kurzfristig und kurzerhand im Hotel zugebucht, im Auto saßen wir wieder irgendwann kurz nach neun Uhr morgens. Erstes Ziel war die Molli-Bahn, genauer gesagt der Start- und Endbahnhof Bad Kühlungsborn West. Diesen erreichten wir eine Dreiviertelstunde später. Sogleich fiel das kleine Freilicht-Museum mit Signalen und einem kleinen Feldbahnzug positiv auf.


Überhaupt war hier der professionellere und kommerziellere Ansatz sofort sichtbar: wie der Kaffeebrenner am Vortag war die komplette Anlage top gepflegt, das Unternehmen sich aber gleichzeitig dem touristischen Auftrag verpflichtet, täglich Dampfloks vor die Züge zu spannen, was aufgrund des vermutlich zigfachen Etats aber auch um einiges leichter zu realisieren sein sollte. So oder so war heute jedenfalls die erste Fahrt mit einer Dampflok, was im hauseigenen Fanblock für große Begeisterung sorgte.

Hin- und Rückfahrt dauerten insgesamt knapp zwei Stunden, in Bad Doberan sind die Gleise größtenteils in die Straße verlegt, der Zug fährt also ähnlich wie eine Straßenbahn mitten durch die Stadt.



 


Die Endstation Bad Doberan hielt als besonderes Schmankerl das "Café Dampf" bereit, wo Würstchen stilecht auf einem Smoker in Lokomotiv-Form gegrillt wurden.

Der Hammer: Ein Smoker in Dampflok-Form!

Umsetzen in Bad Doberan
Zur Bewertung der Molli-Bahn: der Mehrzugbetrieb (auch unter der Woche), die sehr gepflegten Anlagen und das Freilichtmuseum machen einen sehr guten ersten Eindruck, welcher durch die Fahrt selbst und die sehr interessante Streckenführung (unter anderem durch die Innenstadt von Bad Doberan) noch verstärkt wird. Natürlich handelt es sich hier um eine rein kommerzielle Touristenbahn, aber uns hat dies in keinster Weise gestört - im Gegenteil. 5 Sterne!

Danach ging es aufgrund eines Tipps von Onkel Paul zum Baumwipfelpfad in Binz. Hier handelt es sich um spiralförmige Türme, welche man zu Fuß auf einem Boden aus Holzplanken erklimmen kann, wobei der Hauptturm satte 40 Meter in die Höhe ragt. Insgesamt befindet man sich dann ungefähr 80 Meter über dem Meer mit einem sagenhaften Ausblick.

Mich fasziniert dabei immer das Rätsel, wie solche Riesenbauwerke wohl errichtet werden. Gestützt wird die Konstruktion durch zwölf Holzsäulen, die mit Stahl verstärkt werden. Die beiden Großen waren jedenfalls Feuer und Flamme und erklammen den Turm fast im Sprint, der Abstieg wurde nicht weniger rasant gemeistert.






Modell des Hauptturms

Trivia Molli-Bahn
Spurweite 750 mm
Streckenlänge 15,4 km
Vmax 40 km/h
Fahrtzeit hin & zurück total 1:50 Stunden
Bewertung 5 Sterne